Geschichte der Verkehrsbetriebe Pilsen

Geschichte der Verkehrsbetriebe Pilsen

Die Gesellschaft Plzeňské městské dopravní podniky, a.s. ist ein Unternehmen, dessen Geschichte bis ins
19. Jahrhundert zurückreicht. Das Hauptverdienst an der Gründung der Verkehrsbetriebe kommt keinem anderen als dem berühmtesten tschechischen Elektrotechniker Doktor František Křižík zu. Das Unternehmen für elektrische Bahnstrecken und Kraftwerke für ihren Antrieb baute er in den Jahren 1896–1899 auf Grundlage einer Konzession auf, welche die Stadt Pilsen auf Erlass des kaiserlich-königlichen Eisenbahnministers erworben hatte.

Krizik´s tram
Eine der ersten 18 Křižík-Straßenbahnen aus dem Jahr 1899 – Archiv Jiří Rieger

Die erste offizielle Firmenbezeichnung Elektrische Bahnen in Pilsen und Umgebung enthält drei wichtige Informationen über die ursprünglich beabsichtigte Mission des Unternehmens: 1. Die Straßenbahn in Pilsen wurde als rein elektrische Straßenbahn aufgebaut (in zahlreichen Städten waren zu dieser Zeit nur Dampf- oder Pferdestraßenbahnen unterwegs). 2. Das Unternehmen sollte ausschließlich auf den Betrieb einer elektrischen Bahn ausgerichtet sein. 3. Die elektrische Bahn sollte über die Stadtgrenzen Pilsens hinaus fahren. Das kühnste Projekt sah gar den Bau einer Güterstraßenbahn bis zum Steinbruch in Štěnovice vor. Die stürmische Entwicklung der Elektrotechnik Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts legte aber schnell eine weitere Richtung fest: Bereits 1902 musste die Stromversorgung für das neue Stadttheater gewährleistet werden. Innerhalb kürzester Zeit erlebte das Stromversorgungsnetz einen gewaltigen Aufschwung – zum Nachteil des bis dahin bevorzugten Gases, weshalb auch die Nachfrage nach elektrischem Strom ungewöhnlich schnell stieg. Das ursprüngliche Kohle-Dampfkraftwerk in der Straße Cukrovarská und das Wasserkraftwerk Panský mlýn benötigten zusätzliche Stromlieferungen aus dem Bürgerlichen Brauhaus. Nach dem Bau der Regulierung am Fluss Radbuza wurde das Kraftwerk in Panský mlýn aufgegeben und durch ein modernes Wasserkraftwerk an der Uferstraße Denisovo nábřeží ersetzt, das seit seiner Inbetriebnahme am 18. Februar 1922 bis heute funktioniert. Neben Erzeugung und Verteilung von Strom kümmerte sich der Verkehrsbetrieb auch um den Bau des städtischen Leitungsnetzes. 1933 versorgten die Elektrowerke der Stadt Pilsen bereits 27 294 Abnehmer mit Strom. Die Umbenennung des Unternehmens folgte also der Logik, da der Betrieb der elektrischen Bahn nur eine seiner Aktivitäten war. In den Zeiten der Ersten Republik erlebte der öffentliche Verkehr einen großen Aufschwung. Beleg dafür ist die Einführung des Busverkehrs im Jahr 1929. Eine Zeit lang betrieben die Elektrowerke sogar die Busverbindung Pilsen-Prag.

Salesroom
Verkaufsstelle der Elektrowerke der Stadt Pilsen – Stadtarchiv

Die Kriegs- und Nachkriegsjahre sind mit der Einführung und Weiterentwicklung des Oberleitungsbusverkehrs im Jahr 1941 und dann 1946 auch mit der Trennung der Kraftwerkstätigkeit von den Verkehrsaktivitäten verbunden. Das Unternehmen trägt seitdem den bekannten Namen Verkehrsbetriebe der Statutarstadt Pilsen (Dopravní podniky statutárního města Plzně) und konzentrierte sich in erster Linie auf die Gewährleistung des städtischen Nahverkehrs auf dem Stadtgebiet Pilsens. Aus dem kommunalen Unternehmen wurde dann während der sog. Normalisierung ein Staatsbetrieb. Mit Eintragung ins Handelsregister am 1. Mai 1998 beginnt die neuzeitliche Geschichte des Unternehmens. Im Zuge der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft wurde die Stadt zum 100%igen Eigentümer der Verkehrsbetriebe, die auch den neuen Namen Plzeňské městské dopravní podniky, a.s. (abgekürzt PMDP a.s.) erhielten. Hauptsächlicher Tätigkeitsbereich der Verkehrsbetriebe bleibt die Gewährleistung des öffentlichen Nahverkehrs, ergänzt um eine Reihe geschäftlicher Aktivitäten, wie Service und Waschen von Fahrzeugen, Fahrschulbetrieb oder Stromerzeugung im ursprünglichen Kraftwerk Hydro an der Adresse Denisovo nábřeží 12, wo sich bis heute auch der Firmensitz der PMDP, a.s. befindet.

Hydro - PCTC headquarter
Gebäude Hydro mit Wasserkraftwerk am Denisovo nábřeží 12 – Stadtarchiv